Koran und Muezzin als Handy Klingelton in Ägypten unerwünscht

Die Handys kommen in Ägypten derzeit nicht mehr aus den Schlagzeilen der nationalen Presse. Zuerst sorgte die geplatzte Übernahme von Mobinil, dem größten Mobilfunk-Anbieter in Ägypten, durch die französische France Telecom für Aufsehen, nun werden die rund 50 Millionen Handy-Nutzer in Ägypten durch eine Fatwa des Großmufftis Ali Gomaa verunsichert. Der oberste islamische Rechtsgelehrte in Ägypten sprach sich jetzt ganz offiziell gegen Muezzin-Rufe und Koran-Verse als Handy Klingelton aus und bezeichnete diese in seiner jüngsten Fatwa als “unangemessen und irreführend“.

Eine Fatwa ist ein unverbindlicher Erlass, mit dem die religiösen Gelehrten in den arabischen Ländern den Koran auslegen und sich dadurch in die Lage versetzt sehen, ihren Glaubensbrüdern bestimmte Gesetze, Verbote und Empfehlungen für den Alltag auszusprechen. Da eine Fatwa aber nicht als verbindliches Gesetz angesehen werden kann, drohen den Ägyptern, die Muezzin-Rufe und Koran-Verse auch weiterhin als Handy Klingelton nutzen wollen, keine Strafen. Die bei den Gelehrten des Islams in Ungnade gefallenen Handy Klingeltöne erfreuen sich übrigens nicht nur in Ägypten größter Beliebtheit, sondern machen auch schon in anderen arabischen Ländern wie Irak, Saudi-Arabien oder dem Westjordanland die Runde.

Ali Gomaa, dessen Meinung zu Rechtsfragen aus dem Islam in Ägypten normalerweise sehr hoch angesehen ist, würde es lieber sehen, wenn statt der Muezzin-Rufe und Koran-Verse in Zukunft religiöse Lieder und Gedichte aus dem Koran als Handy Klingelton verwendet würden. Ob die Landsleute und Glaubensbrüder des Großmufftis von Ägypten diesem Aufruf allerdings folgen werden, bleibt erst noch abzuwarten.

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