Koptischer Papst verbietet Telefon-Beichte in Ägypten

Die orthodoxen Kopten, die die überwältigende Mehrheit unter den in Ägypten lebenden Kopten stellen, müssen seit dem koptischen Weihnachtsfest, das traditionell am 6. Januar begangen wurde, ohne die Telefon-Beichte auskommen. Der koptische Papst Schenuda III. will seine Glaubensbrüder damit vor eventuellen Eingriffen des Staats schützen und das Beichtgeheimnis bewahren. Seit rund 30 Jahren ist es den Sicherheitsbehörden in Ägypten per Gesetz offiziell erlaubt, in einem bestimmten Rahmen die im Land lebenden Menschen zu überwachen. Hierbei ist vor allem das Abhören bzw. Mitschneiden von Telefongesprächen eine gängige Praxis geworden.

Der koptische Papst Schenuda III. verdächtigt in erster Linie den ägyptischen Geheimdienst, die in Ägypten lebenden Minderheiten systematisch zu bespitzeln, um so an mehr oder weniger brauchbare Informationen für seine Arbeit zu kommen. Neben den Kopten zählen unter anderem auch Menschenrechtler und Journalisten zur bevorzugten Zielgruppe der Telefonüberwachungen in Ägypten. Die Beichte wird den koptischen Christen in Ägypten künftig also nur noch in der traditionellen Art und Weise im persönlichen Gespräch abgenommen werden können.

In Ägypten ist der Einfluss des Westens unter allen arabischen Staaten am deutlichsten zu spüren, weshalb das Land insbesondere auch im Bereich der Gleichberechtigung enorme Fortschritte gemacht hat. Internationale Beobachter gehen jedoch gleichzeitig auch davon aus, dass Ägypten noch einige Jahre braucht, um die nach wie vor vorhandenen Defizite bei der Gleichberechtigung von religiösen, ethnischen oder gesellschaftlichen Minderheiten vollends auszugleichen.

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